Unsere Ausbildung: Santos, London, Hamburg. Willkommen!

Jelina Lehmann (wehe dem, der das “i” nicht betont!) und Nicole Caccaos stehen beide auf Kreativität, Kunst und Design. Was sie unterscheidet: Jelina hat diese Leidenschaft zum Beruf gemacht, Nicole nicht. Klingt hart, ist es aber nicht — ein beruflich betriebenes Hobby kann den Spaß auch kaputtmachen. Das ist Typsache. Auf jeden Fall haben sich beide für ihre Ausbildung bei der Ministry Group entschieden. Und das aus gutem Grund.

So, jetzt seid ihr hier. Aber wo kommt ihr her?

„Wir kommen beide vom Meer”, sagt Nicole. „Jelina von der Ostsee, ich aus Brasilien.” Ihre dunkelbraunen, fast schwarzen Haare trägt sie offen und lockig. Sie schiebt ihre Brille weiter nach oben.

Neben ihr sitzt Jelina auf der Holzbank inmitten des Empfangsraums der Ministry Group. Holztisch im Bauernhaus-Stil, Sofaecke, Kicker und bodentiefe Fenster mit Blick aufs Nikolaifleet. „Ich mach mal ein Fenster auf”, sagt sie. Mit der frischen Luft kommt auch das Geschrei der Möwen hinein. Die Sonne scheint ausnahmsweise mal in Hamburg. Sie spiegelt sich an den nassen Fassaden.

„Fast wie zu Hause”, sagt Jelina und setzt sich wieder. Auch sie trägt offene Haare, allerdings glatt und blond. „Ich bin in der Nähe von Scharbeutz aufgewachsen.”

Nicole lehnt sich in ihren Holzstuhl. „Da ist doch auch der Hansa-Park?”

Jelina zieht einen Mundwinkel und eine Augenbraue hoch und antwortet: „Jahreskarte. Seit Jahren!” Beide grinsen sich an. „Die Gegend ist zwar cool, aber deine Story ist auch nicht übel.”

„Naja. Der Ort, aus dem ich komme, hat auch viel mit Norddeutschland zu tun. Santos, Brasilien, eine Stunde von Sao Paulo entfernt. Das ist die bedeutendste Hafenstadt Lateinamerikas. Und deshalb fahren da immer Frachter mit Containern vorbei, auf denen ‘Hamburg-Süd’ steht. Mega witzig. Außerdem kommt Neymar daher, der teuerste Fußballer der Welt.”

Nicole steht bei Sonnenuntergang am Strand in Santos, Brasilien.
Nicole in Santos, Brasilien. Leider keine Hamburg-Süd-Container in Sicht.

Apropos: Wie gefiel dir eigentlich das WM-Halbfinale 2014? Deutschland gegen Brasilien, 7:1?

„Ich bin zwar Brasilianerin, aber den Großteil meines Lebens habe ich in Hamburg und London gewohnt. Deshalb war ich eigentlich für niemanden.”

Jelina legt den Kopf schief. „Und wie ging es dir nach der Klatsche?”

Nicole legt ihre Brille ab und legt das Gesicht in ihre Hände. „Ich habe bitterlich geweint.”

Mittlerweile scheint sie aber drüber lachen zu können, denn sie grinst Jelina zwischen ihre Finger hindurch an. Diese erwidert: „Also für mich war es einer der schönsten Tage meines Lebens.” Beide lachen.

Was habt ihr eigentlich vor der Ausbildung gemacht?

„Ich war bei Rituals im AEZ, außerdem habe ich ein Praktikum bei Tommy Hilfiger absolviert. Schöne Location, aber an die Modebranche musste ich mich erstmal gewöhnen. Nicht unbedingt meins. Davor kam das Abitur und ein Jahr in Brasilien bei meiner Family.”

„Welche Sprachen kannst du eigentlich? Du warst ja fast schon überall”, fragt Jelina.

„Meine Eltern sind aus Brasilien, da bin ich auch geboren. Mit fünf Jahren sind wir dann nach Hamburg gezogen und mit zehn nach England. Seit sechs Jahren wohnen wir aber wieder hier. Zu deiner Frage: Portugiesisch, Deutsch und Englisch.”

Jelina: „Obrigada! Und was ist deine Lieblingssprache?”

„Oi, schwierig. Ist immer ein bisschen gemischt. Ich benutze alle drei Sprachen mehr oder weniger täglich.”

In welcher Sprache beleidigst du am liebsten?

Jelina schüttelt den Kopf. Nicole schaut an die Decke, fasst sich durch die Haare. Aber als wäre dies die normalste Frage der Welt, antwortet sie: „Das kommt auf die Situation drauf an, was mir als erstes einfällt. Manchmal fällt mir gar nicht auf, dass ich alles mische, also Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Ich merke es erst, wenn Besuch da ist und der mich schief anguckt: Okaaaay …. worüber reden wir gerade?”

Jelina schaut aus dem Fenster. „Ich will auch nochmal richtig viele Länder bereisen.”

Nicole: „Das hat aber nicht nur Vorteile. Vor allem meine kleinen Brüder können die drei Sprachen nicht gut auseinanderhalten, das war bei mir früher auch so. Wenn ein Wort fehlt, bedient man sich aus dem anderen Vokabular. Das ist nicht immer cool.”

Nicole checkt nebenbei etwas auf ihrem Handy. „Ist beruflich, promised!“

Hangouts, coole Sache.

„Zurück zum Thema: Die Leute verstehen einen einfach manchmal nicht und später wird erst klar, weshalb. Du hast Worte gemischt. Definitv dauert es länger, eine Sprache zu perfektionieren.”

Jelina, was hast du vor der Ausbildung gemacht?

„Ich komme mehr oder weniger frisch von der Schule. Letztes Jahr habe ich mein Abitur gemacht, zwischendurch gab’s einen Rucksack-Urlaub und Praktika. Unter anderem drei Monate bei Ministry. Hab mich zum Glück gut angestellt, sodass das mit der Ausbildung geklappt hat.“

Nicole macht große Augen. „Wo warst du mit deinem Rucksack?”

„Das waren nur zwei Wochen. Trotzdem sind wir gut rumgekommen. Amsterdam, Paris, Disneyland, Venedig und Barcelona.”

Nicoles Augen werden riesig. „Disneyland!”

Jelina grinst sie an. „Besser als Hansa-Park, sag ich dir!”

Nicole beugt sich nach vorn, legt die Unterarme und flachen Hände auf den Tisch. „Warst du in Amsterdam ‘Kaffee trinken’?“

„Natürlich nicht.” Jelina zwinkert. Nicole nickt langsam. Und zwinkert schließlich zurück.

Jelina im Disneyland Paris
Disneyland! Paris! Reisen!

Jelina, du machst eine Ausbildung zur Grafikerin. Und Nicole zur Projektmanagerin. Wie kommt’s?

„Ich hatte vorher auch überlegt, etwas Kreatives zu machen”, sagt Nicole. Der Tisch füllt sich langsam mit weiteren Kollegen, die Mittagspause machen. Der Lautstärkepegel steigt, zudem scheinen sich die Möwen draußen mal wieder zu streiten.

„Zuerst wollte ich Kommunikationsdesign studieren. Aber das Problem war: Ich wollte das Studium nicht bezahlen. Also habe ich Alternativen gesucht und mir die Frage gestellt: Was mag ich denn am liebsten? Kommunikation oder Design? Ich liebe Kunst, habe auch mal einen entsprechenden Kurs absolviert. Aber ich fand es dann schöner, hobbymäßig künstlerisch zu werden.“

„Was produzierst du in deinen kreativen Phasen?”, fragt Jelina.

„Ich male viel mit Aquarell, wenn ich Zeit habe. Ansonsten gehe ich gern in Museen. Am Ende blieb also noch Kommunikation übrig von meiner Liste. Deshalb mache ich nun die Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation. Und bisher liebe ich es!”

Und Jelina muss unter Druck Kreativität abliefern.

„Neeein, so würde ich das nicht sagen. Ich mache das auch so liebend gern. Zuerst bin ich da aber tatsächlich über eine Freundin drauf gekommen. Projektmanagement hatte ich übrigens gar nicht auf dem Schirm. Wäre womöglich auch was für mich. Über Praktika im Grafikbereich habe ich dann aber gemerkt, dass ich auch beruflich gern künstlerisch-kreativ arbeiten möchte.”

Inwiefern unterscheiden sich Ausbildung und Praktikum?

„Das ist noch gar kein großer Unterschied!” Jelina pustet sich rechts die Strähne aus ihrem Gesicht, links streicht sie die Haare hinters Ohr. Ein Windzug bringt ihren Ärmel zum Wehen. Die Haare fallen zurück ins Gesicht.

„Ich durfte von Anfang an schon immer viel unterstützen. Zu Beginn waren es Kleinigkeiten wie ‘tausch mal aus’ oder ‘adaptier mal’. Das kann ich jetzt eigenständiger machen, habe auch einen kleineren eigenen Kunden. Klar wird da jedes Mal von Francis oder Nico drübergeschaut. Aber es macht schon Spaß und fühlt sich gut an.”

Ihr seid jetzt seit fast zwei Monaten hier. Eine gute Zeit für ein erstes Fazit.

Nicole: „Mir gefällts. Von der Arbeit her genau das, was ich machen will. Die Leute sind super, die Agentur schön. Angenehme Atmo, hier macht es Spaß.”

Im Speziellen?

„Die Sommerfeier am Timmendorfer Strand war cool. Fast bei dir zu Hause, Jelina. Wie das ablief, was wir da alles gemacht haben …”

Jelina unterbricht sie. „Entschuldigung, wir sind bei den Beach-Olympics Erster geworden, also wenn das nicht dein Highlight ist …”

Nicole lacht. „Stimmt! Stimmt, wir wurden Erster!”

Dazu muss man aber auch sagen, dass ihr gleich mehrere Kreative im Team hattet, eure Sandburg in Form des Ministry-Logos sah dementsprechend auch besser aus als bei den meisten. Etwas unfair.

Nicole: „Jajaja.”

Jelina: „Ausreden. Sandburgen bauen war nur eine von vielen Disziplinen, vergiss das nicht.” Ein tadelnder Blick. durch ihre dunkle Brille.

Was könnt ihr sonst noch?

„Ich spiele Klavier.” Jelinas Gesicht verschwindet erneut unter verwehten Haaren. Nicole macht das Fenster zu. „Danke.”

Spielst du in der Ministry-Band?

„Nein.”

Willst du rein?

„Nein.”

Warum nicht?

„Ich hatte zwar zehn Jahre Klavierunterricht, den hab ich dann aber wegen des Abiturs beendet. Und jetzt spiele am liebsten für mich.”

Was macht ihr, wenn nicht die Ausbildung ruft?

Jelina: „Dann schlafe oder esse ich, so langweilig das auch klingen mag.“

Nicole fasst auf Jelinas Unterarm, nickt. „Essen, ja.”

Nicole ist in London.
Nicole in London — ihrer Lieblingsstadt

Was ist euer großes Ziel?

„Ich will in einem weiteren Land gewohnt haben”, sagt Nicole. „Am liebsten aber auch nochmal nach London ziehen. Das ist meine Lieblingsstadt. Ansonsten ist das Thema offen, Hauptsache nochmal weg.”

Asien?

„Ja, das auf jeden Fall!”

Schön in die Mongolei. Ins Nichts. Graswüste?

„Neeee, Japan!”

Jelina nickt. „Bei mir ist es ähnlich. Aber undefinierter. Einfach losfahren, noch mehr sehen. Was Neues, den Kopf freikriegen, fliegen, gucken, wo ich lande und was ich da mache.“ Sie schiebt ihre Brille hoch. Schaut in die Runde. „Ach ja. Und Bungee-Springen.”

Sämtliche Kollegen im Umkreis drehen sich zu Jelina um und schmunzeln. Der Tisch ist jetzt Mittagspausen-bedingt voll besetzt.

„Ihr lacht! Aber in eine Schlucht reinspringen in das Ziel, in der man unten ins Wasser tauchen kann. Nicht von so einem langweiligen Kran. Wenn schon, denn schon!”

Nochmal zurück zur Ausbildung.

Jelina spricht direkt weiter. „Mir hat bisher jeder geholfen, den ich gefragt habe. Das war aber auch im Praktikum schon so.” Dabei blickt sie weiterhin in die Runde.

Ich habe dir zum Beispiel schon mal die Tür aufgehalten.

Jelina verdreht die Augen.

„Wow. Aber es ist wirklich so, dass sich alle kümmern. Ob man fragt oder nicht.”

Nicole nickt. „Da kann ich auch nur zustimmen.”

Jelina nutzt einen Snapchat-Filter bei ihrer Ausbildung
Ausbildung der Generation Y? Digital Natives? Aber selbstverständlich!

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