Erfahrungsbericht Cross Mentoring Teil 1: Andreas und Soliman

Flüchtlingskrise!!!!
What? Das ist eine Chance und keine Krise.

Seit die so genannte Flüchtlingskrise Deutschland erreicht hat, war ich davon überzeugt, dass es sich eigentlich nicht um eine Krise handelt. Sondern um eine riesige Chance für unser Land. Während meines Studiums habe ich das lokale Komitee der internationalen Studentenvereinigung AIESEC aufgebaut und dafür gesorgt, dass hunderte Studenten aus Bremen Praktika weltweit machen konnten – und im Gegenzug Hunderte nach Bremen kamen. Wir haben die internationalen Praktis während ihres Aufenthalts betreut und begleitet. Aus dieser Tätigkeit wusste ich, wie bereichernd der internationale Austausch auf Augenhöhe ist.

Ich wusste darum auch, dass ich einen Teil dazu beitragen wollte, dass die Chance, die die Flüchtlinge für Deutschland darstellen, auch Realität wird. Ich wollte etwas für sie tun – besonders aber wollte ich etwas für mein Land tun. Aber ich hatte einfach keine Idee, wie ich das mit meiner begrenzten Zeit machen sollte – neben dem Management einer Unternehmensgruppe mit vier Firmen und über 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dem vor drei Jahren mit zwei Partnern gegründeten Sozialunternehmen Hacker School.

Die Chance nutzen

Als ich in der brandeins von dem Startup ImpactDOCK las und von der Idee, die Yukiko Kobayashi und Alexa Drichelt hatten, nämlich durch ein 1:1-Mentoring von Flüchtlingen durch Unternehmer und Führungskräfte die Integration zu beschleunigen, war ich sofort begeistert und wusste: DAS ist genau das, was Du gesucht hast. Ich habe dann mit Yukiko Kontakt aufgenommen und mir von ihr das Konzept erklären lassen. Zu dem Zeitpunkt ging ich noch davon aus, dass sich meine Unterstützung auf die Vermittlung von Mentoren aus dem Kreis unserer Kollegen beschränken würde.

Ich war begeistert, als sich auf meine Aufruf-Mail in unser Team quasi sofort (innerhalb von einer Stunde) zwei Kolleginnen gemeldet haben, bei denen offenbar ebenfalls ein Nerv getroffen war. Ich war (wieder einmal) stolz und glücklich, was für offene, begeisterungsfähige Menschen bei MINISTRY arbeiten.

Als wir uns dann zum ersten Termin mit Yukiko trafen, sprach diese mich ganz direkt an: “mit Dir wollte ich mich eh noch treffen. Du machst doch die Hacker School, die muss einfach auch dabei sein, denn es gibt unglaublich viele Zuwanderer mit einem IT-Hintergrund, die aber keine Ausbildung abschließen konnten. Da müssen wir doch was machen!”

Helfen ganz konkret: Zusammen den Nachwuchs begeistern

“Da hat sie Recht”, dachte ich. Und hatte direkt eine Idee, was ich mit “meinem” Mentee (denn in dem Augenblick war mir klar, dass ich mich noch mehr einbringen musste) machen wollte: Eine Hacker School, bei der Zuwanderer mit “einheimischen” Programmierern gemeinsam Kurse für Kinder geben, um diese für Informatik zu begeistern.

Das wäre ein wirkliches Win-Win-Win-Produkt: Zuwanderer können ihr erworbenes Wissen einbringen und sinnvoll verwenden. Sie lernen professionelle Programmierer kennen und können von denen lernen. Unternehmen wiederum bekommen Kontakt zu Menschen, die genau das mitbringen, was auf unserem Arbeitsmarkt händeringend gesucht wird: IT-Knowhow. Sie finden dadurch vielleicht neue Mitarbeiter – ob das passen kann, können ihnen ihre vorhandenen Mitarbeiter sagen, die mit ihnen gemeinsam an einem Hacker School Kurs gearbeitet haben. Und alle gemeinsam inspirieren Kinder (einheimische und geflüchtete), sich mit Informatik zu beschäftigen, und entdecken dadurch vielleicht Talente von morgen, die sonst unentdeckt blieben. Denn in der Schule findet Informatik immer noch nicht ausreichend statt.

Also habe ich Yukiko gesagt, dass wir nicht nur zwei, sondern drei Mentees brauchen …

Gelungenes Kick-off-Event macht Lust auf mehr – let’s get it started!

Einige Wochen später gab es den Kick-Off Workshop, bei dem sich die durch ImpactDOCK ausgesuchten Mentees und wir Mentoren zum ersten Mal trafen. Ein sehr intensiver, bewegender Tag. Ich war begeistert, was für tolle, intelligente, begabte, nette … Menschen ich treffen durfte! Alt eingesessene Hamburger Unternehmer, Führungskräfte und Wissenschaftler und Zuwanderer aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Madaskar und Malaysia. Und mitten drin ich – und mein Mentee Soliman, ein sympathischer Mittzwanziger aus Homs, der seit 18 Monaten hier und seit vier Monaten im Deutschkurs ist. Was mich beeindruckt hat: Wir haben an dem Tag unter anderem über unsere Ziele und unsere Werte diskutiert. Auf Deutsch.

Andreas Ollmann und Mentee Soliman aus Syrien
Andreas Ollmann und Mentee Soliman aus Syrien

Mittlerweile haben sich Soliman und ich ein paarmal getroffen. Aber nicht nur wir beide: zwei Kollegen von mir waren spontan bereit, ihm von ihrer Ausbildung und ihrer Tätigkeit hier zu berichten. Denn Soliman hat als persönliches Ziel, eine Ausbildung im technischen Bereich zu machen. Im Augenblick macht er ein Eingewöhnungs-Praktikum bei uns. Was ich dabei besonders toll finde: er wurde sofort von einem unserer Teams aufgenommen. Die beiden Azubis (Kauffrau und Fachinformatiker) in dem Team kümmern sich täglich um ihn, erklären alles und helfen beim Lernen. Und das ist der eigentlich wichtigste Teil, denn so hat er direkten, regelmäßigen Austausch und damit Grund und Anlass für rapide Fortschritte im Spracherwerb.

Und unser Hacker School-Projekt? Das hat keine Eile. Wir beide nähern uns langsam auf der persönlichen Ebene an und diskutieren Stück für Stück, wie wir diese Idee (die mittlerweile unsere gemeinsame ist) realisieren können. Ich bin mir sicher: Das wird kein “normales” Projekt, bei dem man möglichst schnell und effizient zu einem Ergebnis kommen sollte.  Auf dem Weg dahin werden wir viele Hindernisse aus dem Weg räumen müssen. Aber wir fangen damit an. Und werden unterwegs viel, viel lernen. Beide. Ich freue mich auf das gemeinsame Jahr mit Soliman, das vor mir liegt!

To be continued … by Antje!

Veröffentlicht von

Andreas Ollmann

Ich bin einer der Inhaber und Geschäftsführer der Ministry Group, einer Gruppe von Spezialisten für die digitale Kommunikation entlang der Kundenkontaktkette. Außerdem habe ich zusammen mit zwei Partnern das Sozialunternehmen Hacker School gegründet, mit dem wir Kinder und Jugendliche für Informatik und IT begeistern wollen, indem sie zusammen mit professionellen Entwicklern selbst etwas erzeugen.

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