Erfahrungsbericht Cross Mentoring Teil 3: Zulie und Susanne

Cross Mentoring? Eine erfrischende Grenzerfahrung für mich, voller Gefühle mit Ausschlägen in alle Richtungen und ganz viel Glück. Das ist meine Zusammenfassung bisher.

Wunderbarer Weise sind Antje und Andi, meine lieben Kollegen, auch für dieses Projekt mit an Board. Alles was ich über “Wie kam ich zu dem Projekt?”, “Warum nehme ich teil?” sagen könnte, lass ich einfach mal, denn es stimmt im Grundtenor mit Andis und Antjes bereits Gesagtem bzw. Geschriebenem, überein, siehe Teil1 und Teil2.

Ich erzähle heute also einfach mal über eine meiner spannendsten Erfahrungen inklusive Gefühlekarussell. Los geht’s:

Der Auftakt

Vor dem ersten Treffen, großartig organisiert von impactDOCK (Yuki und Alexa), war ich so aufgeregt, wie ich es schon lange nicht mehr kannte. Immerhin sollte ich meine Mentee kennenlernen und für ein ganzes Jahr mit ihr verbunden sein. Wer würde sie sein? Wie würden wir uns verstehen? Würde ich alles gut machen?

Das Komische war, dass wir uns schon im Aufzug begegneten und beide so aufgeregt waren, dass wir uns etwas grimmig angespannt zulächelten. Wir wussten natürlich noch nicht, dass wir ein Cross-Mentoring-Paar werden würden. Dann die große Erleichterung, Zulie war mir sehr sympathisch und ich fand, wir sind ein bisschen vom gleichen Herzschlag. Da wir auf dem Treffen nicht so schnell einen Termin finden konnten (Zulie macht gerade einen B2-Deutschkurs) wann wir uns bei Ministry wiedersehen, verabredeten wir uns kurzerhand am Wochenende in Eimsbüttel. Wir trafen uns an der U-Bahn und schlenderten durch den Stadtteil in ein Café und versuchten uns kennenzulernen. Ich bemerkte meine und Zulies Unsicherheit, wir beide wollten es gut machen. Ich wurde seltsamerweise im Laufe des Treffens unsicherer und ich hatte das Gefühl ich brauchte Luft und Bewegung und ich hatte Hunger. Also lud ich Zulie zu mir nach Hause ein. Wir kochten Nudeln und da merkte ich bei mir die erste Entspannung: Es schmeckte Zulie, vermutete ich. Zulie spricht sehr gut Deutsch und wir behelfen uns zusätzlich mit Englisch und mit einer Übersetzungs-App.

Soli und Susanne . . . Visualisierung: Erik Bloch, Ministry GmbH
Soli und Susanne . . . Visualisierung: Erik Bloch, Ministry GmbH

Nach ein paar Wochen

Inzwischen sind Wochen vergangen und wir haben uns zahlreich getroffen, viel gesprochen und viel voneinander erfahren. Es war und ist gar nicht so einfach für mich, denn ich merkte was für mich total normal ist und scheint, ist es für Soli lange nicht. Ich meinte Zulies Irritation zu spüren. Zulie agierte und reagierte oft anders als ich vermutete oder erwartete. Kurzum: Ich schwamm total herum und wusste oft nicht was ich sagen oder machen sollte; ich, die oft so selbstsicher und souverän rüberkommt – und es auch meistens bin. Zum Beispiel: Voller Energie organisierte ich ein funktionierendes Smartphone (Lisa-Marie, liebe Kollegin, danke!). Bis heute weiß ich nicht, ob das Smartphone für Zulie wirklich ein Gewinn ist, ich vermute es.

Zu dritt ist man weniger allein

Zum Glück sind wir zu dritt bei Ministry. Und zum Glück sind Yuki und Alexa von impactDOCK so derart hilfreich bei allen Fragen. Im Austausch mit Andi und Antje entschieden wir uns gemeinsam, dass die Projekte erst einmal noch warten müssen. Wir hatten uns nämlich alle Drei Projekte ausgedacht, welche wir im Cross-Mentoring Programm durchführen wollten, gemeinsam mit unseren Mentees. Speziell für Zulie und mich heißt das, wir konzentrieren uns auf die ganz wichtigen Dinge, welche Zulie braucht, und ich konzentriere mich auch darauf, meinen Tatendrang zu beruhigen und zu genießen, so viel zu lernen.

Bald

In wenigen Wochen beginnt Zulies Praktikum bei Ministry. Ich freue mich riesig drauf und bin schon wieder so gespannt. In diesen 4 Wochen werden wir viel Zeit miteinander verbringen und ich hoffe Soli erfährt wie wir bei Ministry und speziell wir Frauen bei Ministry arbeiten. Einige Ministry Kolleginnen werden sich jeweils 1 Stunde mit Zulie treffen um sich kennenzulernen. Denn ich glaube, dass es wichtig ist für Zulie, andere Frauen kennenzulernen im beruflichen Kontext, wie sie sind und mit ihnen zu lachen. Ich schreibe ganz bewusst “Ich glaube, dass es wichtig ist.”, denn Zulie ist für jeden Strohhalm dankbar und freut sich. Aber ich weiß nicht genau, ob ich das Richtige tue.

Unser gegenseitiges Vertrauen wächst mit jedem Treffen, mit jedem Erlebnis in kleinen Schritten. Ich schwimme immer noch, aber inzwischen ein bisschen lockerer.

Ich bin so deutsch, merke ich, Erfolgsorientiert und würde so gerne so wahnsinnig viel geben. Wenn ich aber zu viel mache und gebe, kann ich Zulie auch überfordern und das möchte ich nicht. Zulie ist eine wunderbare Frau. Sie möchte hier in Deutschland ihr Informatikstudium beenden. Darauf konzentrieren wir uns nun.

Pures Glücksgefühl!

Letzten Freitag lagen wir uns spontan in den Armen, weil wir gemeinsam an einem einzigen Morgen geschafft hatten, was seit Monaten nicht möglich war. (Inzwischen wissen wir, dass der Grund ein falscher Eintrag in der Software bei der Agentur für Arbeit war.) Wir fanden für sie eine zuständige Arbeitsvermittlerin bei der Agentur für Arbeit. Diese Arbeitsvermittlerin ist zufälligerweise auch Migrationsbeauftragte und sie bestätigte gleich im Termin schriftlich, dass Zulie ihre Abschlusspapiere (Abitur, Diplom in Pädagogik, Zeugnisse ihrer ersten Informatiksemester) mit Kostenübernahme übersetzen und notariell beglaubigen lassen kann. Hurra! In diesem Moment spürte ich, dass wir beide glücklich waren  und Glück haben, bei diesem wundervollen Projekt Cross-Mentoring mitmachen zu können. Dankeschön Ministry, für die Unterstützung, dass wir zu dritt, mit Zulie, Arman und Soliman zu sechst, daran teilnehmen können. Dankeschön Zulie, dass du mich ganz neue, so andere wertvolle Erfahrungen machen lässt und mich mitnimmst.

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