Hansaplast-Rabbits statt Duracell-Hasen

Angelina Jolie aus Bergedorf* ist nicht nur ein bekanntes Gesicht aktueller Plakatkampagnen und verfügt über eine erstaunliche Ähnlichkeit mit ihrem Alias, für uns und “Hansaplast Foot Expert” hat sie bewiesen, dass sie auch schöne Füße und Hände hat. Klingt vielleicht erstmal seltsam, aber genau so läuft es manchmal: Da sucht man schlicht und einfach ein “Fußmodel”.

Mit Beiersdorf haben wir bereits ziemlich viel zusammengearbeitet. Hauptsächlich für die klinische Hautpflege von Eucerin. Falls das noch nicht bekannt war: Hansaplast gehört ebenfalls zu Beiersdorf. Es ist auf jeden Fall immer ein Lob für unsere Arbeit, wenn man Folgeaufträge vom gleichen Mutterkonzern erhält. Diesmal ging es um Anwendungsvideos zum Thema Fußpflege — wofür benutzt man folgendes Pflaster? Wie wendet man es an? Und was genau sind eigentlich Hühneraugen?

Ein Hühnerauge?

Dr. Zorica Jovanovic war diesmal unsere verantwortliche Ansprechpartnerin, sozusagen die Kundin für diesen Auftrag. Für eine “International Brand Managerin” ist sie super entspannt, zur Begrüßung gibt es eine Umarmung, was allerdings wohl auch mit unserer gemeinsamen Historie beim Eucerin-Videoberater zusammenhängt. Dort stand sie nämlich vor der Kamera. “Foot Care” ist ihr Thema bei Hansaplast. Sie weiß genau: „Das Hühnerauge muss etwas gelber aussehen”. Angelina – unser Fußmodel – darf also nochmal in die Maske. Die Vorbereitungen im Studio haben bereits gute zehn Stunden gedauert, auf fünf Minuten kommt’s nicht an.

Das Hühnerauge ist nicht gelb genug und wird „nachjustiert“.

Wie, wann und wo beginnt eigentlich ein Projekt?

Klar: Man schnappt sich nicht die Kamera und dreht drauf los. Dass das Set präpariert, in diesem Fall sogar erst aufgebaut werden muss, ist keine Überraschung. Die meiste Zeit nehmen Vor- und Nachbearbeitung in Anspruch. In dem Moment, in dem wir das Konzept mit dem Kunden abgestimmt haben, wissen wir, wo die Reise hingehen soll. Im Anschluss stellen wir von 6ft Rabbit Productions uns diverse Fragen, bevor wir unsere Hardware auch nur anfassen. Wen brauchen wir? Was brauchen wir? Wie soll das Video aussehen? Wie viel Zeit benötigen wir?

Wir bauen das Set auf. Gute Laune im Gepäck.

Am Dienstag vor einer Woche haben wir das Set aufgebaut, im Studio Dock11, St. Pauli, Feldstraße, Bunker. Mit Blick aufs Millerntor. Es ist ein Green Screen-Studio, also stellen wir Wände aus Pressspan auf, die wir weiß streichen. Anschließend kommen eine halbe Badewanne, ein Waschbecken, PVC-Boden in eleganter Fliesenoptik und Handtuchregal hinzu – das Fake-Badezimmer ist fertig. Fließend Wasser? Fehlanzeige! Brauchen wir aber auch nicht 😉 Vernünftig ausleuchten, Bild einrichten, los geht’s. Erstaunlich, wie chaotisch so ein Studio außerhalb des engen Bildausschnitts aussieht, den man auf Hochglanz poliert. Davon ahnt man nichts, wenn man lediglich das geleckte Endprodukt, in diesem Fall die Anwendungsvideos, sieht.

Mehr Schein als Sein — das fertige Set kann hauptsächlich gut aussehen. Aber dafür ist es ja auch da.

Modelsuche: genau wie bei GNTM?

Jeder macht seine Castings anders. Ich habe da schon ganz viele Geschichten und unangenehme Situationen (nicht unter meiner Leitung!) erlebt. Im Grunde läuft es aber so: Wir laden Models ein, sprechen viel in Form von lockerer Kommunikation. Wenn Acting gefragt ist, sollen sie zwar vor der Kamera einen vorbereiteten, kleinen Part spielen. ABER: Das ist auf keinen Fall so ein Bootcamp-Ego-Scheiß wie bei GNTM. In der Foto- und Filmbranche gibt es viele Menschen mit unerträglichen Allüren, da wird sich wichtig genommen, provoziert, damit die Leute eingeschüchtert sind … das ist alles Bullshit. Das machen wir nicht.

Wir sind mit allen auf Augenhöhe. Der Kunde, das Model, der Regisseur oder derjenige, der das Mittagessen holt. Das ist uns wichtig und ist gut für die Stimmung. Klassische Klischees gibts bei uns nicht, niemand schreit rum, Hierarchien gibt es nur soweit, wie es der Sache dienlich ist.

Es muss gefegt werden? Dafür ist sich bei uns niemand zu schade, auch der Regisseur (ich) nicht! 😉

Aber ich schweife ab: Modelsuche funktioniert je nach Job immer etwas anders und gerade bei sehr speziellen Vorgaben arbeiten wir viel mit Model-Agenturen. Ohne die  wäre es manchmal echt ein “pain in the ass”. Du kontaktierst also die Agentur, sagst: „Wir brauchen jemanden zwischen 20 und 30 Jahren mit besonders schönen Händen und Füßen.” Zwei Tage später hast du einen Haufen Sedcards in deinem Posteingang. Wir treffen eine Vorauswahl und stellen dem Kunden fünf Models zur Wahl – daraus ergeben sich dann Prio eins bis drei.

Der Dreh beginnt. Was macht am meisten Spaß?

Ich freue mich immer schon mal, wenn der Kunde den Auftrag abschließt. Logisch. Ich mag auch besonders den Moment, wenn aus dem abstrakten Gerede auf einmal Bilder im Kopf werden. Umso konkreter es wird, desto cooler. Du groovst dich drauf ein, hast im Optimalfall schon den ganzen Film vor deinem inneren Auge, und dann kommt der Dreh. Der ist meistens sehr anstrengend, aber dafür auch ein großer Spaß. Du bist den ganzen Tag unter Anspannung, danach brichst du zufrieden zusammen. Das ist ganz geil.

Anstrengend, aber spaßig. Bei einem Dreh geben wir alles, da ist auch viel Denkarbeit gefragt.

Ob das Produkt am Ende ebenfalls “ganz geil” wird, manifestiert sich nach und nach. Klar, man tut alles dafür, eigentlich sollte auch alles nach Plan laufen. Aber die konkrete, exakte Vorstellung kommt Schritt für Schritt, wenn man das erste Mal reale Ergebnisse sieht. Die ersten Bilder in der Kamera, die ersten Szenen. Wenn dann das Voiceover, also die “Erzählerstimme” eingesprochen wird, ist man auf der Zielgeraden. Bis zu diesem Punkt kann man manchmal einfach nicht ahnen, wie viele Kleinigkeiten noch zusammenkommen, um das Ergebnis zu schärfen.

Hansaplast-Highlight: „Ups, die Blase ist weg!”

Firmen wie Beiersdorf stellen Medical Experts ein. Sie sind Teil der Markenkommunikation, wenn es um klinische Produkte geht, die womöglich einer fachlichen Erklärung bedürfen. Bei Hansaplast ist dies der Fall. Deshalb erläutern wir mithilfe dieses Experten auch, was es zum Beispiel mit Hühneraugen auf sich hat (Druck erzeugt Hornhaut, die nach innen wächst … autsch). Dafür hat Hansaplast beispielsweise ein passendes Pflaster, das alles aufweicht und abbaut.

Schon irgendwie ironisch, dass Angelina sich die Füße so gut pflegt, dass nicht mal Staub darauf zu haften scheint — und wir ihr deshalb Hühnerauge, Blase und Hornhaut mit einer SFX Maske imitieren müssen.

„Die Blase ist weg!“

Mein Highlight beim Dreh: Wir hatten das Video für das Blasenpflaster eigentlich schon im Kasten. Aber als “guter Regisseur” dreht man ja immer noch einen Versuch “zur Sicherheit” (und nervt damit gern mal alle Beteiligten, aber das geben die nur in den seltensten Fällen zu). Zumindest zieht Angelina sich das Pflaster vom Zeh (wie nennt man eigentlich den Nachbarn des kleinen Zehs? Also den Ringfinger am Fuß? Ringzeh?) Die aufgemalte Blase geht mit ab und sie nur so: „Ups, die Blase ist weg!” Aus dem Off kam dann der Kommentar von Zorica: „So gut sind unsere Pflaster!”

Stress beim Dreh? No-Go!

Grundsätzlich gehe ich übrigens niemals an die Decke, wenn wir auf Drehs sind (ist sowieso nicht meine Art). Das ist ein absolutes No-Go, ich bin der Motivator. Es wird alles klappen, es geht niemals schief … und wenn doch, finden wir eine Lösung. So einfach ist das. Stress zu verursachen, indem man die Kollegen drillt, ist das Schlimmste, was man tun kann. Es gibt genug natürliche Faktoren, die nerven können, beispielsweise Zeitverzug. Bei einem früheren Dreh kam uns beispielsweise ein Making-Of-Heini dazwischen, der plötzlich Interviews mit der Darstellerin haben wollte. Wir standen nur daneben, wie “on Hold” und unser Zeitplan war dahin. Stress pur! Mega nervig! Trotzdem cool geblieben und mit nur einer halben Stunde Verzug den Drehtag erfolgreich beendet.

Am Drehtag unersetzlich: die Kamera

Was darüber hinaus auch richtig schmerzt, ist Technik- oder Darsteller-Ausfall. Wer hat schon zwei riesige Kameras oder zwei Topmodels am Start. Jemand haut die Kamera um, kippt Kaffee drüber, das Model bricht sich auf dem Weg ins Studio das Bein … dagegen ist man zwar versichert, aber es wäre schon ein Drama. Das bedeutet einen neuen Drehplan, man muss alles zurückrollen und neu aufziehen. Zum Glück hatten wir das noch nie.

Rituale am Set

Es zahlt sich aus, ein Feierabendbier nach dem Abbau zu trinken und vor allem richtig gute Verpflegung am Start zu haben. Ein Klassiker, den man nicht vernachlässigen sollte. Ansonsten legen wir unheimlich viel Wert auf gute Laune. Hängt auch mit der Zusammensetzung der Crew zusammen, da wir die meistens sehr gut kennen. Alle sind meist ohne unser Zutun lustig drauf, die Stimmung ist easy und wenn wir keinen Ton drehen, ist Musik an. Alle wissen, wann sie umschalten müssen aufs Sachliche, um ein hervorragendes Produkt abzuliefern. Aber: Ein Ritual im Sinne von “Schlachtruf” oder so haben wir noch nicht. Vorschläge dürfen gern eingereicht werden! 🙂

*Name und Ort von der Redaktion (mir 😉 ) aus NDA-Gründen geändert

6ft Rabbit Productions: ein klasse Team!

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Daniel Engemann ist Chief-Executive Rabbit und Prokurist von 6ft Rabbit Productions. Er arbeitet seit 100 Jahren bei der Ministry Group, war schon in diversen Abteilungen, bis er die Rabbits großgezogen hat. Er spielt in der Band “TMFU” und einer der Kameramänner (Ole H., ach ne,  O. Hellwig) ist großer Fan und trägt häufig Merchandise am Set.

Veröffentlicht von

Daniel Engemann

Chief Executive Rabbit bei 6ft Rabbit Productions http://6ftrabbit.de/ https://www.facebook.com/6ftrabbit/

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