Schleichwerbung? „Nein, danke!“

Valentin hatte Spaß und ich muss aufrĂ€umen 
 Wichtiger Bildhinweis: Dies ist keine Schleichwerbung ;-)Aus aktuellem Anlass beschĂ€ftige ich mich heute mit dem Thema Schleichwerbung in Social Media. Wichtiger Bildhinweis: Dies ist keine Schleichwerbung – einfach weiterlesen und ihr werdet verstehen! 😉

Zum Hintergrund: Das ZDF-Magazin Frontal 21 löste kĂŒrzlich durch einen Bericht, nach dem Motto “Deutsche Blogger bzw. YouTube Stars verfĂŒhren auf Initiative der Werbeindustrie arglose Kinder und Jugendliche durch Schleichwerbung zum Konsum – eine moralisch und juristisch fragwĂŒrdige Praktik”, eine Mediendiskussion rund um den Hype um die YouTube Stars aus.

Die Online Werbebranche, zum Beispiel in Form eines Artikels der Lead Digital, reagierte darauf vornehmlich nach diesem Tenor: “Das ZDF verliert durch YouTube-Stars und Blogger junge Zuschauer und startet jetzt zum Zweck der Abschreckung der Werbetreibenden eine Art Hetzkampagne. Dabei wird der Fehler einer zu einseitigen Darstellung gemacht. Denn es gibt auch viele YouTuber, die ihre Werbung kennzeichnen und sich aktiv gegen Schleichwerbung einsetzen”.

Exkurs: Der kleine Valentin

Um Stellung zu beziehen, möchte ich gerne einen kleinen Exkurs mit euch unternehmen. Los geht’s! Wir befinden uns ab sofort gedanklich in der Altbauwohnung meiner Freunde Alice und Uli in Berlin Friedrichshain. Es ist Sonntag Nachmittag, ich bin aus Hamburg zu Besuch da und packe langsam fĂŒr die RĂŒckreise.

Mit ausgestreckter Hand und drĂ€ngendem “wha wha wha” steht mein einjĂ€hriges Patenkind Valentin vor der Kommode, auf der ich meine Kulturtasche vor ihm in Sicherheit gebracht habe. Dies ist eigentlich ein Moment fĂŒr den kleinen ErdenbĂŒrger, um zu lernen, dass man nicht immer alles haben kann, was man jetzt gerade haben will. Doch Valentin gibt so schnell nicht auf. NĂ€chste Stufe: Ein ohrenbetĂ€ubender und anhaltender Schreikrampf – der ihn tatsĂ€chlich ans Ziel bringt. Das Ende vom Lied ist: Valentin sitzt höchst zufrieden vor sich hin lĂ€chelnd auf dem Wohnzimmerteppich und der Inhalt meiner Kulturtasche ist vor ihm ausgebreitet. Und ich kann den ganzen Kram dann wieder aufsammeln, grrrr.

Wir alle wollen haben

Was hat jetzt der trotzige Valentin mit der Schleichwerbung zu tun? Ich wollte einfach daran erinnern, dass jeder von uns darauf programmiert ist, das zu bekommen, was er haben will. Als Erwachsener gilt es allerdings auf dem Weg zum Ziel auch die BedĂŒrfnisse anderer sowie moralische GrundsĂ€tze und natĂŒrlich gesellschaftliche Pflichten zu berĂŒcksichtigen.

Es ist also meiner Meinung nach zumindest menschlich und nachvollziehbar, dass sowohl einige Social Media Schaffende, als auch einige Unternehmen und Werbetreibende die verfĂŒhrerische Möglichkeit wahrnehmen, durch Schleichwerbung monetĂ€re Gewinne einzufahren. Denn Schleichwerbung ist zwar verboten – doch nach aktuellem Stand der Dinge ist es nach wie vor fĂŒr alle Beteiligten straffrei möglich, diese in Blogs, Vlogs und Co. zu platzieren. So gab die ehemalige Germany’s next Topmodel Kandidatin Marie Nasemann am 29.05.2014 als Gast bei Markus Lanz offen zu, was Schleichwerbung in Social Media betrifft: “Ich halte mich da nicht so an die Regeln.” – bisher ohne rechtliche Konsequenzen (siehe Frontal 21 Sendungsskript, Seite 3). Youtube Star Sami Slimani kassierte 2014 lediglich eine Abmahnung, nachdem die Landesanstalt fĂŒr Rundfunk in Baden WĂŒrttemberg ihn verdĂ€chtigte, Schleichwerbung zu betreiben.

ABER.

ABER. Jetzt ist es an der Zeit fĂŒr das große ABER und den erhobenen Ministry-Zeigefinger. Es ist nicht ohne Grund verboten, Schleichwerbung zu betreiben. Schleichwerbung ist unter moralischen und ethischen Gesichtspunkten nicht vertretbar. Punkt. Wir als Agentur halten uns an geltendes Recht, wozu wir schlicht verpflichtet sind. Wir und unsere Kunden beteiligen uns weder jetzt, noch in Zukunft daran, ungekennzeichnete Werbung im Netz zu veröffentlichen.

Ganz abgesehen von der rechtlichen Lage beschĂ€digt Schleichwerbung in Social Media das Image der Szene. Sowohl Blogger, als auch Vlogger leben davon, autark, ehrlich und nahbar zu sein – darin liegt quasi ihr USP und dafĂŒr lieben sie die Leser und Fans. Wer “heimlich” Schleichwerbung platziert, der hintergeht seine Fans und setzt seine GlaubwĂŒrdigkeit aufs Spiel – eine Tatsache, die Sachar Klein meiner Meinung nach sehr anschaulich in seinem Blog erörtert. Daher: Es ist vollkommen legitim, dass Menschen, die viel Zeit und Herzblut in ihre Projekte stecken, daran auch etwas verdienen möchten. Aber: Sie sollten auch dazu stehen und ehrlich mit ihren Fans umgehen – so lĂ€sst sich die GlaubwĂŒrdigkeit erhalten. Es gibt schließlich in Deutschland nicht umsonst eine Kennzeichnungspflicht fĂŒr Werbung und diese muss berĂŒcksichtigt werden.

Unser Wort zum Dienstag: Wir sagen “Schleichwerbung?” “Nein, danke!” und unterstĂŒtzen die tolle Transparenz-Kampagne #angeber. Geht doch. 🙂

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