Hintergrund-Interview: Gesa Temmen über ihre Snapchat Studie

Am wöchentlichen Snapchat Powerranking kann man sehen: Wir beschäftigen uns zurzeit sehr viel mit dem neuen Netzwerk rund um den Geist. Allerdings sind wir damit nicht allein. Gesa Temmen, Redakteurin und Travel-Bloggerin, forscht für ihre Bachelorarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu den Nutzungsmotiven auf Snapchat.

Wir freuen uns sehr, dass sie uns ein paar Fragen beantwortet hat:
Portrait Gesa Temmen

  1. Wer bist und und was machst du?

Ich bin Gesa (26 Jahre) und ich studiere Kommunikationswissenschaft und Soziologie an der LMU München. Davor habe ich an einigen Medien- und Marketingstationen Zwischenstopps gemacht: Zum Account Manager wurde ich in der redblue Marketing GmbH ausgebildet, nebenbei habe ich auf der Bühne und hinter dem Mikro moderiert, war Mitglied der Redaktion des Radiosenders egoFM und der Zeitschrift ELLE. Zuletzt habe ich die Marketingabteilung des Aus- und Fortbildungsradiosenders M94.5 geleitet und nebenbei reise und schreibe ich für den Reiseblog Lilies Diary. Im Winter lässt sich das perfekt mit meiner Liebe für die Berge und den Schnee verbinden.

  1. Auf Snapchat kennt man dich als Lila_temm – wie lange bist Du schon auf Snapchat und wie bist Du drauf gekommen?

Das erste Mal auf Snapchat angemeldet habe ich mich letzten Sommer, da war das auf dem Blog schon ein heißes Thema. Wie so viele habe ich die App dann aber erstmal wieder gelöscht: Ich wusste nicht, wem ich folgen sollte, war gelangweilt und hab den heißen Draht einfach nicht finden können.

Wieder installiert habe ich die App dann, als ich im Winter mehr Zeit zum Reisen hatte und wusste, dass ich auch Content liefern könnte. Also habe ich einfach mal probiert, was ging, mich mit Instagrammern vernetzt und siehe da – auf einmal war ich drin. Immer wieder habe ich mich zwar gefragt wieso und warum, aber gehen, wollte ich auch nicht.

So geht es hier den meisten: Wer einmal drin ist, findet nicht wieder raus. Da folgt man dann sogar Leuten, die einen eigentlich total nerven …

  1. Du schreibst Deine Bachelorarbeit über Snapchat – Wie kam es dazu, und wie hast Du Deinem Betreuer Snapchat erklärt?

In meiner BA wollte ich schon immer etwas über die Beweggründe, den Sinn und den Kontext von Mediennutzung machen. Fast wäre es dann was mit Bloggern und Instagram geworden – doch dann kam Snapchat! Und mit Snapchat kamen Tag für Tag so viele neue Fragen und Hypothesen auf, dass ich einfach Antworten haben wollte! Kritisch reflektiert. Ich habe da auch schnell viele tolle Leute auf Snapchat gefunden, die sich gern mit mir über das Thema unterhalten haben. So kam es dann auch zu meinen Q&A´s (Question and Answer-Spiel), in denen ich „im Plenum“ Fragen zur Snapchat-Nutzung stelle und die Zuschauer mir antworten. Beim ersten Mal habe ich zum Beispiel so Fragen gestellt wie: „Was siehst du dir auf Snapchat gerne an?“, und „Was ist ein Anreiz für dich zu snappen?“ Das Feedback war unglaublich. Eine Person hat sogar gesagt, dass snappen für sie schon manchmal Ersatz zum Fernsehen ist!

Mein Dozent war auch sofort dabei. An manchen Tagen war ich mir aber gar nicht so sicher, ob er wirklich wusste, worum es ging: Wir hatten nur über Mail kommuniziert und darin antwortete er konsequent mit SnapSHOT. Ich witzelte also darüber, dass ich meine Bachelorarbeit am Ende doch nur über Screenshots schreiben müsste. Dem ist glücklicherweise nicht so J Tatsächlich waren sogar zwei Dozenten um die Arbeit „im Rennen“.
lila_themm

  1. Wie ist Deine Fragestellung, und wie versuchst Du diese zu beantworten?

Da habe ich zuerst einmal ein super Zitat: „Zur Schau gestellte Langeweile mündet in (…) zwanghafte[m] dokumentieren von Nebensächlichkeiten, die so nebensächlich sind, dass sie weder amüsieren (…) noch interessieren.“ (Thisisjanewayne.com). Das ist jetzt stark verkürzt, aber genau das ist es, was ich mich ständig frage! Wieso schauen Leute bis dato häufig völlig Fremden wochenlang bei ihrem täglichen, oft banalen Leben zu? Tun sie das überhaupt?

Die Studie hat den Anspruch, den Umgang von Snapchat im Alltag der Menschen, in ihren Social Media-Repertoires und verschiedenen sozialen Milieus zu verorten. Ich frage nach den Nutzungsmotiven und Mustern sowie nach der Bewertung der kurzen Videos und sozialen Kontakte über die App. Natürlich soll auch dargestellt werden, wie sich die Unterschiede bei der Nutzung von Snapchat erklären lassen und welche Faktoren den Stellenwert der App beeinflussen. Dazu führe ich knappe zwei Hände voll Interviews mit verschiedenen Snappern, die sowohl produzieren als auch konsumieren. Den theoretischen Rahmen dafür bietet die Habitus-Kapital-Theorie des französischen Soziologen Pierre Bourdieu. Die Studie ist schon aufgrund des Umfangs nicht repräsentativ, soll aber einen ersten Einblick in das Feld geben – bislang gibt es dazu für den deutschen Raum noch gar nichts in die Richtung.

  1. Magst Du uns vielleicht ein Nugget Deiner Arbeit vorab verraten?

Meine ersten Ergebnisse aus den Q&A deuten darauf hin, dass es auf Snapchat ein großes Vertrauen gibt. Auch vorangegangene Studien aus der US-Forschung haben gezeigt, dass auf Snapchat vor allem Erlebnissen mit „trusted ties“ geteilt werden. Das ist ein sehr spannender Aspekt, den ich auf jeden Fall noch weiter untersuchen möchte.

Danke Gesa für das Interview, vielleicht ergibt sich ja noch die Möglichkeit zu weiterer Zusammenarbeit …

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eine 15-jährige erzählt von ihrem Nutzungsverhalten (Danke Katja!)
101 coole und weirde Snapper den man folgen könnte
Snapchat Powerranking KW 16
Ministry/AntTrail Chief Snapchat Officer Sebastian Keil

Veröffentlicht von

Sebastian Keil

Geschäftsführer bei Anttrail, Stratege, Schlechte Witze-Erzähler, Mobile First

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