Snapchat in der Markenkommunikation: Analyse und Empfehlungen

Für ein Webinar vor ein paar Wochen haben wir unsere Gedanken zur Frage „Kann man Snapchat in der  Markenkommunikation sinnvoll einsetzen und wenn ja wie geht das“ einmal schriftlich fixiert. Dabei haben wir zunächst versucht, den wichtigen Unterschied zum zurzeit dominanten Netzwerk Facebook heraus zu arbeiten.

These 1: Snapchat ist im Vergleich zu Facebook aktuell ein vollkommen anderes Spiel. A whole different ballgame. Quasi wie Quidditch.

Snapchat ist wie Quidditch

 

  1. Situation: Will man Facebook als Unternehmen nutzen, so ist man gezwungen, seine Inhalte mit Werbebudget zu pushen, um sie sichtbar zu machen. Micro-Content Brocken von Unternehmen sieht man im News-Feed praktisch nur, wenn sie außerordentlich gut sind, oder sie mit Geld in meinen Feed gepusht werden. Bei Snapchat hingegen gibt es diese Option nicht. Die User schauen sich Content 1-2x an und danach entscheiden sie, ob es interessant ist. Die Entscheidung für einen „Follow“ basiert auf persönlichem Draht und vor allem „ist der Content für mich relevant“. Auf Snapchat ist der Content wieder mehr King!
  2. Attention: Die Rezeption findet bei Snapchat in einem anderen Umfeld statt als bei Facebook. Snaps schaut man sich nicht in der Bahn an oder als Second Screen bei Fernsehen sondern meist mit ungeteilter Aufmerksamkeit, z. B. kurz vor dem Insbettgehen. Diese hohe Aufmerksamkeit ist einerseits wahnsinnig interessant für Marketers, gleichzeitig eine Herausforderung, denn es reicht nicht mehr lustige Bildchen zu machen, denn man kann sie eben nicht mit ein paar Cent in die Feeds der User drücken.
  3. Focus: Laut Statistik verbringen die Snapchat-User durchschnittlich 30 Minuten in der App. Das ist nicht so viel wie Facebook-Nutzer, aber bei maximal 170 Minuten im Internet (Altersgruppe 19+) sind 30 Minuten Anteil Snapchat, bei höchster Aufmerksamkeit ein „Trend“, den man nicht ignorieren sollte.

These 2: Snapchat kann durchaus eine sinnvolle Ergänzung zum Marketingmix sein. Wenn man ein paar Dinge beachtet.

Die fünf Regeln für Snapchat in der Markenkommunikation

 

  1. Eine Frage, die einige vielleicht noch aus der PR kennen: Habe ich überhaupt etwas zu erzählen. Etwas, mit Relevanz. Etwas spannendes, nicht „Wir haben so eben Version 2.2.3.9 unserer Buchungssoftware für veröffentlicht, “ oder „die dritte Kopie des Klons ist jetzt in unserem Online-Shop erhältlich“. Relevant heißt in den seltensten Fällen „wichtig für den Verkauf“. Relevant können Details über das Produkt sein, oder Besonderheiten der Produktion oder vielleicht Einzelheiten über die Menschen hinter dem Produkt. Zum Beispiel.
  2. Irgendwie irgendwann wird jemand sprechen und sogar vor der Kamera erscheinen müssen, um die relevanten Inhalte authentisch rüber zu bringen. Habe ich jemanden in der Firma/im Umfeld, der erzählen kann?
  3. Es gibt zurzeit keine Möglichkeit auf Snapchat, um auf sich aufmerksam zu machen, abgesehen davon, Menschen zu folgen und zu hoffen, dass sie zurück folgen. Folglich ist ein bestehendes Publikum auf anderen Netzwerken oder Medien sehr von Vorteil, wenn das Ziel ist, irgendwann für mehr als drei Menschen zu erzählen. Dort kann man dann auf Snapchat verweisen, mit Link oder Snapcode. Klar, man kann auch Aufkleber mit dem Snapcode drucken, aber…
  4. Habe ich Menschen im Rücken, die mich machen lassen, oder wollen Menschen im Nacken, die nach 2 Wochen den Return on Investment (ROI) überprüfen? Snapchat ist neu, es gibt noch nicht viele Metriken, die üblichen Fragen (z. B. „Wie viele Menschen in meiner Zielgruppe haben den Film bis zum Ende gesehen?“) kann man nicht beantworten, das ist auch nicht das Ziel der Platform. Das Ziel der Platform hat wie immer für die Nutzer erstmal nichts mit Marketing zu tun!
  5. Weiß ich, warum ich Snapchat nutzen möchte? Habe ich ein kommunikatives Ziel? Kann ich das mit Snapchat überhaupt erreichen?

Diese Fragen, insbesondere die letzte,  sollte man als Marketing-Verantwortlicher zunächst beantworten, bevor man sich als Unternehmen auf Snapchat präsentiert. Wie so oft ist es eine gute Idee, sich das ganze erstmal als Zuschauer anzugucken, mit einem privaten Konto. Und dann dort rumzuprobieren, die ersten Versuche auch mit Freunden und Kollegen diskutieren. Wenn man dann immer noch glaubt, Snapchat ist das richtige für die Unternehmenskommunikation – dann los!

Die komplette Präsentation inklusive der Erkenntnisse von Gesa Temmen (hier unser Hintergrund-Interview mit Gesafinden sich auf Slideshare.

 

Und wie immer ein paar Links zum Abschluss:
Jenna Wortham erklärt wie sie Snapchat lieben lernte
Recode hat ein dickes Profil über den Snapchat-Gründer Evan Spiegel geschrieben
Unser nächstes Webinar zum Thema Facebook-Werbung ist am 16.6. um 12 Uhr
Neue Profile angucken bei Snapgeist.com
Unseren Chief Snapchat Officer Sebastian Keil adden
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Veröffentlicht von

Sebastian Keil

Geschäftsführer bei Anttrail, Stratege, Schlechte Witze-Erzähler, Mobile First

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