Lass uns Freunde bleiben – Blogger Relations vs. Facebook

Noch immer ist das Thema Blogger Relations in der Berufskommunikatorenfraktion aktuell. Nicht verwunderlich denn Schuster bleiben natürlich bei ihren Leisten.
Verständlicher wird dies unter dem Gesichtspunkt der Konstanz: Früher waren die Ansprechpartner Journalisten, dann Blogger, dann Influencer, demnächst dann die YouTuber (allein daran wird wieder mal deutlich wie weit der Mainstream zurückhängt, auch in der Kommunikation). Verständlich auch, weil es mühsam ist, sich den ständig ändernden Begebenheiten auf Facebook anzupassen, bzw. neue, funktionierende Herangehensweisen für die sich ändernde Landschaft zu erarbeiten. Dass einige Strategen Facebook nicht mehr als sinnvollen Kommunikationsort erachten ist für viele scheinbar das langersehnte Signal, auf andere, kontrollierbarere Pferde zu setzen und Facebook einfach mit dem bekannten Schema so lange weiter zu bedienen, bis die Kunden selber den Hahn zudrehen. Nun fängt auch Twitter an, am Newsfeed herumzuschrauben, leider noch bevor das Anzeigenprodukt für nur in Deutschland werbende Firmen/Agenturen der Rettungsanker sein konnte, denn mit Werbebudget lässt sich ja bekanntlich jede Kampagne zum Guten wenden.

Natürlich gehört Blogger Relations auch zu AntTrails Portfolio. Oder Influencer Relations. Oder was auch immer gerade nom du jour ist, meine Meinung dazu vom vergangenen Dezember sollte bekannt sein. Man muss sich aber immer die Frage stellen, was der effizienteste Ansatz ist, sowohl für den Kunde und Agentur.

©communitymanagerappreciationday.com
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Meines Erachtens ist es sinnvoller, den schwierigeren Weg (ja, den über Facebook) weiterhin zu gehen, weil er insgesamt besser skaliert und messbarer ist als Blogger Relations. Die schwierige Frage nach dem Social ROI hört ja nicht bei Facebook und Twitter auf, sondern muss auch bei Blogs gestellt werden. Und längst nicht alle Blogger wissen über ihre Reichweite, Leserschaft, etc Bescheid,  hinzukommt, dass die Bloglandschaft noch weiter fragmentiert bleiben wird, Leser weiterhin nicht die Zeit haben, 20 Fashionblogs zu lesen. Micro-Nischen sind sinnvoll, aber zurzeit ist das über Facebook einfach besser steuerbar, bedienbar und messbar.
Natürlich hat es (nicht zuletzt SEO-) Vorteile, wenn man die „Botschaft“ auf viele Blogs/Webseiten etc streut. Andererseits profitiert die Marke sehr davon, wenn die Facebook Seite die Community zusammen führt und sich viele Markenfreude dort aktiv beteiligen, weil der Ton stimmt.

Wir sehen die stetige Veränderung der Rahmenbedingungen bei Facebook als Indiz dafür, dass das Netzwerk weiterhin bestehen wird und nicht den Weg von MySpace und Friendster gehen wird, eben weil es sich anpasst bzw. richtiger: den Weg vorgibt. Und wir merken, dass die Tools mit wachsen, sodass wir auf die Frage nach einem ROI gute, befriedigende Antworten geben können.

 

AllFacebook Marketing Conference: Ein Tag Facebook, ein Tag voller Antworten

Insgesamt 13 Vorträge mit dem Kerninhalt Facebook sorgten mehrheitlich für gute Unterhaltung, zeigten viele Stolpersteine auf und gaben teils wertvolle Tipps für Unternehmer, aber auch Social Media Experten. Auch schön ist, dass ihr fast alle Präsentationen hier findet. Daher verzichte ich auf weitere Verlinkungen im Beitrag.

AllFacebook Marketing Conference (Bild von allfacebook.de)
AllFacebook Marketing Conference (Bild von allfacebook.de)

Zu Beginn der Veranstaltung gab es einen erfrischenden Beitrag von Gerald Hensel (S&F), der auf den Tag mit und um Facebook einstimmte. In 10 Punkten zeigt er die typischen Fehler von Unternehmen mit dem Medium Facebook auf. Und er machte Lust auf mehr.

Leider konnte das Niveau nicht gehalten werden und der Kollege von Facebook, Moritz Schäufele, spielte sich mit einer schwachen Vorstellung über das PMD selbst ins Abseits. Anschließende kritische Fragen wurden vornehmlich mit „Das ist nicht mein Kerngebiet, da fragt lieber jemand anderes“ beantwortet.

Die Vorträge über Facebook Ads waren für einige Unternehmer sicherlich wertvoll, wenn sie noch nie Ads geschaltet haben. Ansonsten wurden nicht mehr als die Basics erklärt und erwähnt, dass iCrossing bzw. AdPalor tolle Ad-Tools haben. Gehört meiner Meinung nach nicht zwingend auf eine Konferenz.

Über den Tag verteilt durften Lufthansa Cargo, Telefonica – O2 mit Interone sowie eBay mit Sellaround ihre Praxisbeispiele präsentieren.

Auch wenn bei Lufthansa Cargo ein „B2B“ im Titel des Vortrags zu finden war, ging es doch generell um Fans der Luftfahrt und weniger um mögliche Kunden, was schade war. Trotzdem zeigten sie auf, dass Social Media vom ganzen Unternehmen getragen werden muss und die besten Inhalte doch oft bei den eigenen Mitarbeitern zu finden sind.

O2 hingegen nutzt die unterschätzten Tabs und verwandelt Facebook zum „Browser“. Durchaus interessanter Ansatz, doch als gerade meine Neugier geweckt war, wurde das Prinzip von Thorsten Habermann und Christian Clawien (übrigens auch schon auf der Next13 mit dem Thema Big Data zu finden gewesen) sehr kritisch reflektiert. Manchmal dann doch bitte zu seinen eigenen Ideen und Konzepte stehen.

Und letztlich gab es noch den Beitrag von eBay und Sellaround, der mich leider nicht erreicht hat. Der Vortrag begann wenig spannend, so dass ich die Chance zum Netzwerken außerhalb des Raumes nutzte.

Eines der Hauptthemen war die steigende mobile Nutzung von Facebook, bereits 35% der Nutzer sollen vornehmlich mobil „liken“ und „sharen“. Aber kaum eine Facebook App ist optimiert für die mobile Nutzung. Und das ist sehr erschreckend. Sicherlich ist es immer eine Frage des Budgets, doch zumindest eine Fallbackseite sollte drin sein, und das dauert keine 4 Stunden. Hervorragend aufgearbeitet haben es vor allem Jasper Krog und Christian Lee Rottmann von Edelman Digital, der wohl größten Social Media Agentur.

Unter Berücksichtigung der mobilen Nutzung stirbt laut Michael Kamleitner (Die Socialisten) der klassische Gewinnspiel Tab aus. In seiner sehr guten Präsentation zeigt Kamleitner, dass Gewinnspiele in Kombination mit Open Graph unglaublich viel Potential entwickeln können, wird jedoch 1/3 des Potentials auf Grund falscher Konzeption und Programmierung verschenkt. Da Gewinnspiele immer noch ein gutes Zugpferd zur Fangewinnung sind, war der Beitrag sehr wertvoll für uns.

Nach der Fangewinnung ist vor dem ROI. Oder: Welcher meiner Fans wird zum Kunden? Und wie hoch liegt der CPR?

Martin Szugat von SnipClip hat hier reichlich Erfahrung gesammelt und diese mit uns geteilt. In seinem Vortrag zeigte er die Problematiken des klassischen Funnels auf, welche Metriken funktionieren und wie die Ergebnisse dank kleiner Anpassungen optimiert werden können. Auch wenn Szugat kein Allheilmittel aufzeigen konnte, so zeigt er den Unternehmern den richtigen Weg, ihren eigenen ROI zu finden.

CPR von Martin Szugat/SnipClip
CPR von Martin Szugat/SnipClip

Die letzten beiden Vorträge gehörten Johannes Lenz und Curt Simon Harlinghausen von AKOM360. Lenz nahm in seinem Vortrag den Newsfeed genauer unter die Lupe und erklärte diesen auch sehr gut. Seine 3 1/2 Thesen, die schon im Titel des Vortrags angekündigt waren, sind leider sehr nett ausgefallen, ein „stupid!“ am Satzende konnte ihnen auch nicht mehr Provokation einhauchen und somit zu einer regen Diskussion anregen.

Den Abschluss machte Harlinghausen und ging auf die Facebook Graph Search ein. Zuerst erklärte er die Funktionsweise von Suchmaschinen, warum Menschen suchen und was sie finden wollen. Das Schlagwort hier: Relevanz. Und wen wundert es, dass hinter der Graph Search ehemalige google Entwickler sitzen? Interessant zu wissen ist, dass die semantische Suche bei Facebook nicht auf Links basiert (wie bei google), sondern auf Basis der Nutzer und ihrer Handlungen.

Gut gemacht ist der Übergang von Information hin zu möglichen Business Cases und Tipps für Unternehmen. Wir freuen uns bereits auf die Einführung der Graph Search und den damit verbundenen Geschäftsmodellen.

Die Allfacebook Marketing Conference war inhaltlich breit aufgestellt mit dem Fokus auf aktuelle Trends und Entwicklungen und konnte damit überzeugen. Schade war, dass nach den Vorträgen das Netzwerken auf ca. eine Stunde beschränkt war. Unter anderem lag es eben nicht an den Teilnehmern, sondern an dem sehr beschränkten Ausschank und den Sponsoren, die Ihre Stände förmlich abrissen, während vielerorts noch spannende Gespräche geführt wurden. Hier wünschen wir uns eine bessere Lösung und gerne kommen wir im November wieder.