Relevanz erhöhen: Social Media-Crashkurs für Unternehmen

Ich trage gern Schuhe der Marke Hummel. Zuhause steht ein ganzes Regal davon. Neulich habe ich Hummel an die Facebook-Wall geschrieben: „Hey, ich besitze ein Dutzend Schuhe von euch, aber es ist noch Platz. Welches Modell empfehlt ihr mir?” Hier müssen sämtliche Alert-Glocken schrillen. In Social Media-Denke bedeutet das nämlich: Hummel ist relevant. Deren Social Media-Manager sollte mit mir interagieren. Denn Relevanz ist das größte Gut in den sozialen Medien. Ich bin genau das, was sich jeder wünscht: ein freiwilliger Rezipient. Vielleicht sollte Hummel mal bei AntTrail vorbeischauen 😉

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Oh Facebook mein Facebook – fans oder Fans?

Wer seine Strategie auf bezahltes Wachstum ausrichtet, muss sich nicht wundern, wenn das organische Engagement sinkt.

Die Frage, ob Facebook nun sinnvoll für Marketer ist oder nicht und welche Zielgruppen nun erreichbar sind, beschäftigt die Experten nicht erst seit gestern. Sei es die Aussage von Forrester-Analyst Nate Elliott, dass Facebook mit der letzten Ankündigung quasi die „organische Reichweite killt“ (nebst Gegenargument vom langjährigen Ford Social Media Verantwortlichen Scott Monty), sei es die Überprüfung der These, dass Teenies von Facebook flüchten von Christiane Henne für WuV (ausgerechnet WuV, deren Tochterblatt Lead Digital quasi wöchentlich Facebook totschreibt), oder die etwas ältere These von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach: „Wer nicht zahlt, ist nicht sichtbar.“

Insbesondere die letzte Aussage hat mich dazu verleitet vor zwei Wochen auf der AllFacebook-Konferenz in Berlin zu sprechen.  „The Sweet Spot of Community Management – Erfolgreich auf Facebook ohne Werbung“ war meine Gegenthese und da die Slides ohne Tonspur nicht wirklich funktionieren, möchte ich an dieser Stelle noch mal etwas ausholen.

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©2014 Scott Davidson – AllFacebook Marketing Conference

Warum diskutieren wir über Facebook Werbung? Die landläufige Meinung ist: „ohne Werbung geht es nicht“, denn Posts kommen nicht in den News-Feed der Fans. Dies hat vor allem zwei Gründe: Es gibt mehr Nutzer, mehr Seiten, mehr Content und genauso wie bei Blogs hat sich die Ratio von Angebot und Nachfrage ganz extrem verschoben.

Man denkt also schon sehr früh an die Bewerbung, was zur Folge hat, dass Visuals nur 20% Text haben und auf den Click optimiert sind.

Eine Basis für die Entscheidung pro Werbung sind die KPIs, die alle sinken. Allerdings ist das Problem doch, dass die Zahlen nicht vergleichbar sind. Ja: man kann Pages in Größen-Cluster gruppieren und Rückschlüsse ziehen, aber man kann ja nicht einmal die Zahlen mit denen der vergangenen Jahre vergleichen. Wie schon gesagt, es gibt mehr User, mehr Pages, und nicht nur die Fanzahl hat sich verändert, so dass die Resultate anders werden, sondern Facebook hat sowohl den Newsfeed-Algorythmus als auch Regeln für Pages geändert.

Die Prämisse  – Facebook-Werbung muss sein, Reichweite um jeden Preis – ist falsch, denn der Blick auf die Community wird verfälscht. (Kleiner Einschub: Wir schalten für unsere Kunden auch Werbung, wenn das ins Konzept passt, aber erst, nachdem wir „nackte“ Insights gewonnen haben. )

In meinen Augen ist es nicht sehr sinnvoll, dass man sich auf der einen Seite Storytelling auf die Fahnen schreibt, fans zu Fans machen möchte und dann a priori diskutiert, wie viel Budget jeder Post bekommen soll. Ja, es kann sein, dass man später Anzeigen schaltet, aber man kauft ja auch nicht das Bleichmittel bevor man versucht hat, den Fleck mit normalem Waschpulver rauszukriegen.

Der Punkt:
Wir wollen echte Fans, die miteinander interagieren; auf einer Plattform, die wir ihnen bieten. Darauf sollte die Strategie ausgerichtet sein, nicht auf das künstliche Aufblasen der Community, was dann dazu führt, dass Kunden fragen stellen wie „Was schätzen Sie wie viele unserer Fans echte Fans sind?“

Die Inhalte müssen für die echten Fans relevant sein, damit diese liken, kommentieren und sharen.

Nochmal:

Die Inhalte müssen für die echten Fans relevant sein, damit diese liken, kommentieren und sharen.

So fällt die sinkende durchschnittliche organische Reichweite kaum ins Gewicht, weil die Engagement-Rate hoch bleibt.

Deswegen fangen wir bei unseren Überlegungen immer mit „Why“ an – warum ist jemand Fan unserer Seite geworden (echter Fan)? Was könnte ihn interessieren? Daraus entwickeln wir verschiedene Storylines und testen diese zunächst ohne Werbung. Nur so können wir überprüfen, ob wir mit unseren Thesen richtig liegen.

Und nur wenn wir auf inhaltlich-bedingtes, organisches Wachstum setzen, müssen wir nicht für eine hohe Engagement-Rate zahlen… Und dann freuen wir uns über solche Ergebnisse:
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